Neue Debatte über die Gestaltung des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
Leiter der KZ-Gedenkstätten warnen vor „Verfälschung der Geschichte“
Die Debatte über die künftige Gestaltung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ist neu entflammt. Mitte März wandten sich die Leiter der deutschen KZ-Gedenkstätten und verschiedene andere Persönlichkeiten mit einem Offenen Brief an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Regierenden Bürgermeister von Berlin. Darin brachten sie ihre „große Sorge“ über die geplante Umgestaltung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zum Ausdruck. Die Unterzeichner des Briefes befürchten eine „Verzerrung und Verfälschung der Geschichte wie des Andenkens an die Verfolgten“. Weitere Informationen
Feier zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Am 27. Januar 2010 wurde der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas luden aus diesem Anlass zu einer Feierstunde am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten. In diesem Jahr war die Feier dem Sänger Paul O'Montis gewidmet, der in den 20er Jahren zu den Stars der Berliner Kabarettszene gehört.
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Führungen am Homosexuellen-Denkmal
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Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) e.V. bietet Führungen zum Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen an.
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Für Jugendgruppen, Schulklassen und andere Interessierte bietet der LSVD nach Vereinbarung eine etwa einstündige Einführung zur Geschichte des Denkmals und der nationalsozialistischen Homosexuellenverfolgung an. Die Veranstaltungen finden direkt am Denkmal oder im nahegelegenen Ort der Information statt.
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Klaus Wowereit fordert Aufhebung aller Urteile nach § 175 und Entschädigung der Opfer
Bei der Gedenkfeier für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am Christopher Street Day (27. Juni 2009) hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit eine Aufhebung "aller Urteile nach § 175" gefordert. Wörtlich erklärte Wowereit: "Aber auch nach dem Ende des NS-Terrors hat es viel zu lange gedauert, bis alle Formen der strafrechtlichen Verfolgung beseitigt wurden. Und: Obwohl die Strafverfolgung längst abgeschafft ist, wirkt das Unrecht von damals nach und viele Menschen leiden noch heute darunter. Ich fordere daher eine Aufhebung aller Urteile nach § 175. Und ich fordere eine Rehabilitierung und Entschädigung für all jene, die auf der Grundlage eines von vornherein inhumanen Gesetzes verfolgt wurden – und zwar in beiden deutschen Staaten."
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75. Jahrestag des Beginns der systematischen Homosexuellenverfolgung durch das NS-Regime:
Gedenken an homosexuelle NS-Verfolgte
Vor 75 Jahren ordnete die Gestapo die reichsweite Erfassung homosexueller Männer an
Am 24. Oktober 2009 jährte sich der erste Versuch einer totalen Erfassung sämtlicher homosexueller Männer durch das NS-Regime zum 75. Mal. Aus diesem Anlass veranstalteten der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) und die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas eine Feierstunde am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Bei der Veranstaltung redeten Dieter Glietsch, Polizeipräsident in Berlin, der Rechtsanwalt und Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi und Alexander Zinn, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg. Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, sprach ein Grußwort.
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Rudolf Brazda nach Unfall bei Gedenkfeier wohlauf
Überlebender des KZ Buchenwald stürzte bei dem Versuch das Podium zu betreten
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Rudolf Brazda und Klaus Wowereit
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LSVD-Ehrenmitglied Rudolf Brazda, der sich bei einem Sturz bei der Gedenkfeier für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am Christopher Street Day (27. Juni 2009) verletzt hatte, ist inzwischen wieder wohlauf. Brazda hatte nach der Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium, Alfred Hartenbach, spontan eine Ansprache halten wollen. Bei dem Versuch, das Podium zu betreten, stürzte er und zog sich Schürfwunden an Stirn und Ellenbogen zu.
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Weiterer Anschlag auf Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
Auf das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin sind seit seiner Einweihung Ende Mai 2008 bereits drei Anschläge verübt worden. Der jüngste Anschlag geschah in der Nacht auf den 5. April 2009. Unbekannte versuchten, das Sichtfenster, durch das man den Film zwei sich küssender Männer sehen kann, einzuschlagen. Der Wachschutz überraschte die Randalierer, diese konnten jedoch fliehen.
Auch in der Nacht zum 16. Dezember 2008 und am 16. August 2008 war das Denkmal demoliert worden. In beiden Fällen wurde das Sichtfenster eingeschlagen. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) verurteilte die Anschläge aufs Schärfste. Sie seien ein "Schlag ins Gesicht aller Opfer des NS-Terrors!"
Denkmal nach dem erstem Anschlag
Der KZ-Überlebende Rudolf Brazda äußerte sich gegenüber Berlins LSVD-Geschäftsführer Alexander Zinn entsetzt zum Anschlag vom 16. Dezember: „„Das ist traurig, schrecklich traurig. Einige sind wohl unbelehrbar. Sie werden es offenbar nie akzeptieren, dass es Menschen gibt, die von Natur aus anders sind als sie." Bundespräsident Horst Köhler verurteilte den Anschlag aufs schärfste.
Beschluss des LSVD-Verbandstages vom 5. April 2009
Gedenken an homosexuelle NS-Opfer
Gedenkfeier am Christopher Street Day mit Wolfgang Thierse
Im Vorfeld der Berliner CSD-Demonstration fand am 28. Juni 2008 um 11 Uhr am neuen Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen eine Gedenkfeier statt. Bei der Veranstaltung sprachen u.a. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, Petra Rosenberg, die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, LSVD-Bundesvorstand Günter Dworek und Alexander Zinn, Geschäftsführer des LSVD Berlin-Brandenburg. Auch Rudolf Brazda, der wegen Homosexualität im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war, nahm an der Gedenkfeier teil.
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